Die Brixner Lauben: Shopping seit dem Mittelalter
Lohnt sich ein Spaziergang durch die Lauben in Brixen? Absolut. Während viele moderne Einkaufszentren heute versuchen, „Atmosphäre“ künstlich zu erzeugen, gibt es sie hier bereits seit dem 13. Jahrhundert. Die Lauben in Brixen unterteilen sich in die Großen Lauben und die Kleinen Lauben, die zusammen eine hufeisenförmige Achse bilden. Sie bieten bei Regen Schutz und sind ein architektonisches Statement für den bürgerlichen Wohlstand vergangener Zeiten.
Die Großen Lauben: Prachtboulevard der Bürger
Die Großen Lauben beginnen beim Domplatz und sind der prunkvolle Teil der Brixner Shoppingmeile. Hier bauten früher die wohlhabendsten Kaufleute der Stadt ihre Häuser. Schau dir die Fassaden über den Bogengängen an. Du entdeckst prächtige Erker, pastellfarbene Fassaden und aufwendige Stuckarbeiten. Die Erker waren früher übrigens nicht nur Zierde: Sie dienten dazu, mehr Licht in die tiefen Räume zu lassen und – ganz nebenbei – zu sehen, wer sich unten in der Gasse herumtreibt, ohne selbst gesehen zu werden.
Heute findest du hier viele Geschäfte. In den Großen Lauben prägen Namen wie Oehler Fashion oder Maximilian das Bild, die internationale Designermode in historischen Mauern präsentieren. Wer nach authentischem Südtiroler Loden sucht oder hochwertige Strickwaren bevorzugt, wird bei Spezialisten wie Strickwaren Plunger fündig. Das geschichtsträchtige Modehaus Crispin steht für persönliche Beratung mit langer Tradition. Für feine Details und Schmuckkreationen sind Schmid & von Bosio oder der Juwelier Egger bekannt, die eigene Werkstätten direkt im Haus haben.
Ein Muss für Genießer ist Pur Südtirol, wo du eine riesige Auswahl an regionalen Bauernprodukten findest. Wer hochwertige Fleisch- und Wurstspezialitäten sucht, steuert die Metzgerei Siebenförcher oder die Metzgerei Fink an. Für Naschkatzen bietet Seebacher Süsswaren eine Auswahl, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist, während die Natur-Backstube Profanter zeigt, wie modernes Backhandwerk mit alten Getreidesorten funktioniert.
Die Kleinen Lauben: Charme in den schmalen Gassen
Biegst du am Ende der Großen Lauben um die Ecke nach links, gelangst du in die Kleinen Lauben. Wie der Name schon sagt, ist hier alles ein wenig enger und vielleicht sogar noch ein Stückchen authentischer. Hier haben sich viele kleinere, inhabergeführte Läden und Ateliers erhalten. Die Kleinen Lauben fühlen sich etwas „stiller“ an als ihre großen Geschwister, was sie perfekt für Entdecker macht, die abseits der großen Besucherströme nach Souvenirs oder handgemachten Spezialitäten suchen.
Ein spannendes Detail sind die sogenannten Durchhäuser, also Häuser mit öffentlich zugänglichen Durchgängen: Viele Gebäude in den Lauben haben Gänge, die das Haus von vorne nach hinten komplett durchqueren. Sie dienten früher dazu, Waren schnell von den rückwärtigen Höfen in die Verkaufsräume unter den Arkaden zu bringen.
In den Kleinen Lauben findest du beispielsweise WiaNui, einen Upcycling Concept Store. Buchliebhaber zieht es in die weitläufige Athesia Buchhandlung, die sich über mehrere Etagen erstreckt. Das Geschäft Kerer ist eine Institution für alles rund um Küche und Heim, in der man oft noch Dinge findet, die es in großen Märkten längst nicht mehr gibt.
Daten, Fakten und kleine Anekdoten
- Passt ein Pferd durch? Eine beliebte Anekdote besagt, dass die Lauben so hoch gebaut wurden, damit ein berittener Bote bequem hindurchreiten konnte. Historisch gesehen war das zwar eher unwahrscheinlich, da die Arkaden den Fußgängern und Händlern vorbehalten waren, während die Wagen in der Gassenmitte fuhren. Doch die Höhe hatte einen praktischen Grund: Sie fing das spärliche Tageslicht für die Verkaufsräume ein
- Die „Zunftzeichen“: Achte auf die schmiedeeisernen Schilder, die über vielen Eingängen hängen. Diese Wirtshaus- und Handwerksschilder verraten dir oft heute noch, was in dem Haus vor 200 Jahren verkauft wurde – von der Bäckerei bis zum Gold- und Silberschmied.
- Früher galt: Die Häuser direkt am Übergang zum Domplatz waren die exklusivsten Adressen der Stadt. Je näher am Domplatz man seinen Laden in den Lauben hatte, desto einflussreicher war man. Heute ist diese Hierarchie verflogen, aber die Lauben bleiben der Ort, an dem man sich in Brixen trifft, „ratscht“ und das Leben genießt.
Wo sind die Brixner Lauben?
Bilder Lauben Brixen




MEINE INSIDERTIPPS
Der größte Fehler, den du in den Brixner Lauben machen kannst – nur auf die Schaufenster zu schauen. Schau unbedingt auch nach oben: In den Deckengewölben der Laubengänge findest du oft alte Freskenreste oder kunstvoll verzierte Schlusssteine. Jedes Haus hat seine eigene Persönlichkeit. Wenn du Hunger bekommst, such dir eine der kleinen Bars in den Seitengassen der Kleinen Lauben – dort gibt es oft den besten Espresso der Stadt! Von den Kleinen Lauben kommst du durch die schmale Domgasse zurück zum Domplatz.


