Kreuzgang Brixen

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Kreuzgang Brixen: Das bunte Bilderbuch der Stadt

Lohnt sich der Kreuzgang Brixen? Wer den Domplatz in Brixen überquert, sucht meist zuerst den Blick nach oben zu den gewaltigen Türmen des Brixner Doms. Dagegen liegt der Brixner Domkreuzgang fast etwas versteckt. Rechts vom Hauptportal des Doms kommst du in den Kreuzgang hinein. Er ist die Verbindung zwischen den Kirchen und mit seinen 20 Arkaden und den aufwändigen Wandmalereien ein begehbares Bilderbuch, das dich direkt ins Mittelalter katapultiert.

Gotische Fresken: Warum der Kreuzgang als „Armenbibel“ gilt

In einer Zeit, in der kaum jemand lesen oder schreiben konnte, war der Kreuzgang das wichtigste Klassenzimmer der Stadt. Die Wände sind überzogen mit gotischen Fresken, die Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament erzählen. Du kannst hier von Arkade zu Arkade wandern und wie in einem Comic die religiöse Vorstellungswelt des 14. und 15. Jahrhunderts nachverfolgen. Das Besondere: Die Farben sind durch die geschützte Lage im Innenhof so gut erhalten, dass du die Details der Gewänder und die Mimik der Figuren fast so scharf siehst wie am Tag ihrer Entstehung.

Das Rätsel vom Elefanten: Ein mittelalterliches Missverständnis

Wenn du durch die dritte Arkade schlenderst, solltest du kurz innehalten und nach dem „Pferdophanten“ suchen. Der Maler Leonhard von Brixen hatte um 1470 die Aufgabe, einen Elefanten zu malen – ein Tier, das er selbst vermutlich nie gesehen hatte. Das Ergebnis ist eine der charmantesten Anekdoten des Kreuzgangs: Auf der Wand prangt ein graues Wesen mit Pferdekörper, Rüssel und riesigen Ohren. Erst Jahrzehnte später kam mit dem echten Elefanten Soliman ein echtes Rüsseltier nach Brixen und versetzte die Stadt in Staunen. Das Fresko erinnert uns heute daran, dass Fantasie im Mittelalter oft wichtiger war als anatomische Korrektheit.

Achte auf die „Ungeheuer“ in den Gewölben

Wenn du durch die Arkaden wanderst, schau nicht nur auf die großen Bibelszenen an den Wänden, sondern wirf einen Blick direkt nach oben in die Gewölbezwickel. Dort haben sich die mittelalterlichen Maler manchmal kleine Freiheiten erlaubt. Du findest dort fantastische Wesen, Fabeltiere und bizarre Fratzen, die so gar nicht in das starre religiöse Schema passen. Es ist fast so, als hätten die Künstler dort ihren Humor und ihre eigene Fantasie verewigt.

Die Suche nach den Stifterfiguren

Viele der Fresken wurden von wohlhabenden Bürgern oder Domherren finanziert. Diese ließen sich oft selbst im Bild verewigen – allerdings aus Bescheidenheit meist sehr klein und in einer demütigen Haltung in einer der unteren Ecken. Es macht Spaß, diese „Selfies des Mittelalters“ zu suchen. Sie geben uns heute einen tollen Einblick in die Mode und die Gesichter der Menschen, die vor über 500 Jahren in Brixen gelebt haben.

Architektur zwischen Romanik und Gotik

Du spürst im Kreuzgang sofort eine besondere Ruhe. Die Architektur ist eine Mischung: Die massiven Rundbögen stammen noch aus der Romanik (12. Jahrhundert), während die filigranen Kreuzrippengewölbe später im gotischen Stil hinzugefügt wurden. In der Mitte des quadratischen Innenhofs steht eine steinerne Totenleuchte aus dem Jahr 1500. Sie erinnert daran, dass dieser Ort jahrhundertelang als Begräbnisstätte für Domherren diente. Die zahlreichen Grabplatten an den Wänden erzählen von den einflussreichen Familien, die das Schicksal der Bischofsstadt über Generationen prägten.

Wo genau ist der Kreuzgang in Brixen?

Der Kreuzgang ist Teil des Dombezirks, direkt an der Südseite des Brixner Doms. Du findest den Eingang in der Albuingasse 2, direkt am Domplatz: Wenn du vor der Hauptfassade des Doms mit den beiden großen Türmen stehst, liegt der Zugang zum Kreuzgang auf der rechten Seite. Er verbindet den Dom mit der Johanneskapelle und der Frauenkirche.

Öffnungszeiten Kreuzgang Brixen

Damit du vor Ort nicht vor verschlossenen Türen stehst, solltest du beachten, dass der Kreuzgang an die Gebetszeiten des Doms gekoppelt ist. Der Kreuzgang Brixen ist täglich geöffnet von 06:30 Uhr bis 18:00 Uhr.

Bilder Kreuzgang Brixen

Blick vom Kreuzgang Brixen auf den Dom
Blick vom Kreuzgang Brixen auf den Dom
Der Kreuzgang ist eine der meistbesuchten Brixen Sehenswürdigkeiten
Der Kreuzgang ist eine der meistbesuchten Brixen Sehenswürdigkeiten
Der Kreuzgang Brixen ist frei zugänglich

Insider-Tipps für deinen Besuch im Domkreuzgang

  • Der „weltliche“ Teil: Wundere dich nicht, wenn die Arkaden 16 bis 20 kahl sind. Hier durften sich früher die Schüler der Domschule aufhalten und zeitweise durften Krämer ihre Waren verkaufen. Daher gibt es hier keine heiligen Bilder.
  • Beste Besuchszeit: Komm am frühen Vormittag. Wenn das Licht schräg durch die Arkaden in den Innenhof fällt, leuchten die Fresken besonders intensiv und die Stille des Ortes ist am besten erlebbar.
  • Zugang zur Frauenkirche: Vom Kreuzgang hast du Zugang zur Frauenkirche. Viele Besucher laufen daran vorbei, aber ein kurzer Abstecher lohnt sich. Sie ist kleiner als der Dom, beherbergt ebenfalls fantastische Fresken und strahlt eine ganz besondere, friedliche Energie aus.

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